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platz16x16.gif (55 Byte)Gedichte

 

Manchmal ist es ja so, dass man mit dem Klima oder der kräftigen Natur im Chaco echt Mühe hat. Da muss man sich dann wieder die schönen Seiten und schönen Zeiten vor Augen halten. Dazu ist beispielsweise das folgende Gedicht geeignet:

Gar schön ist der Chaco

(von Cornelius W. Friesen)

Gar schön ist der Chaco, ja der Chaco ist schön!
Wer das noch bestreitet, hat ihn nicht gesehn,
hat ihn nicht belauschet, schon gar nicht erlebt,
vielleicht nur nach zeitlichen Gütern gestrebt.

Das Schöne und weniger Schöne im Land,
ging alles hervor aus des Allmächt’gen Hand.
Wir wollen nicht dies und nicht das übersehn,
nein, dankend den ewigen Schöpfer erhöhn.

Gar schön ist der Chaco, ja, der Chaco ist schön!
Kriegt man es von weitem auch nicht so zu sehn.
Man muss ihn erleben, durchwandern, beschaun,
ja mehr noch: Erobern, geniessen, bebaun.

Gar schön ist der Chaco, ja, der Chaco ist schön!
Doch nicht an Gebirgen, an Tälern und Seen.
Frostblumen an Fenstern, Eiszapfen am Dach,
die künstelt der Chaco dem Norden nicht nach.

Trotzdem ist der Chaco doch immer noch schön!
Man braucht nur am Abend die Sterne zu sehn.
Sie leuchten so klar und funkeln voll Ruh,
nach Müh und Arbeit den Einwohnern zu.

Gar schön ist der Chaco, ja, der Chaco ist schön!
Hörst du nicht das Tierreich den Schöpfer erhöhn?
Insekten und Vögel, der Kröten Verein,
trillieren und Quaken und zwitschern und schrein.

(aus: "Vom Paradies in die grüne Hölle Paraguays", von Heinrich Derksen sen.)

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Das Chacolied

 

Meine Heimat

  1. Wo die Stürme brausen in dem Chacoland,
    wo die Sterne leuchten weithin übers Land,
    wo die Flaschenbäume stehn im Sturmgebraus,
    da ist meine Heimat, da bin ich zu Hauss.
  2. Wo die grossen Kämpe blühn zur Frühlingszeit,
    wo der Algorrobo steht im zarten Kleid,
    wo de Kaktus stille Wege rings umsäumt,
    da hab‘ ich die schöne Jugendzeit verträumt.
  3. Wo der Gaucho jauchzend seine Herde treibt
    und dem Lande seiner Väter treu verbleibt,
    wo der Bauer mühsam seine Scholle bricht,
    da ist meine Heimat, die vergess‘ ich nicht.
  4. Wo am hohen Himmel nachts der Vollmond steht,
    wo ein blondes Mädel still das Glück erfleht,
    für den fernen Liebsten, dass er an sie denkt
    und das Schicksal ihn bald wieder heimwärts lenkt.
  5. Bin die Welt durchwandert, bis ans fernste Meer,
    doch es zog ein Klingen hinterm Wand’rer her.
    Lockte Heimatsehnsucht aus dem Herzen vor,
    bis er seine Freude an der Welt verlor.
  6. Das war Heimweh nach dem schönen Chacoland,
    wo die Stürme brausen über Busch und Sand,
    wo die starken Bäume stehn im Sturmgebraus,
    da ist meine Heimat, da bin ich zu Haus.

Es gibt es also, das Chacolied. Das Lied steht (als Nummer 90) in einem mennonitischen Liederbuch. Die Melodie ist vom in Deutschland sehr bekannten Lied mit dem Titel "Nordseewellen". (Wo die Nordseewellen brechen an den Strand, .... usw.)

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Um 1930 im Chaco von Paraguay

Carro Menó

Carro Menó nannten die Paraguayer den vierrädrigen Wagen, den die Mennoniten von Europa mitbrachten, im Gegensatz zu ihren grossen zweirädrigen Karren, den "carretas". Während die Mennoniten nur zwei Ochsen vor ihren Wagen spannten, wurden die "carretas" von drei bis vier Paaren gezogen. Der paraguayische Dichter Darío Gómez Serrato – auch Soldat im Chacokrieg – war von dem "Mennowagen" so beeindruckt, dass er ihm ein Gedicht widmete.

Der Mennowagen

Gezogen von dem sicheren Schritt gepflegter Ochsen,
rollt auf vier Rädern leicht der Mennowagen hin.

Beladen hoch mit Früchten schwerer Arbeit,
der blonden, tapfren Sonnenkinder - Kolonisten.

Wo erst Soldaten nur ihr feurig Maultier trieben,
taucht aus dem Staub gewandt der Mennowagen auf.

Ein Wagen, der auf weiten Strecken ruhig rollt,
doch wenn es eilt, zur Schnelligkeit das Tempo steigert.

Und ungezwungen, stattlich auf der hohen Fuhre
sitzt hübsch gekleidet, blühend eine Frau.
Das Kolonistenmädchen, ruhig und voll Anmut,
schön wie sein Mennowagen, der es rhythmisch wiegt.

Ich möchte diesen Wagen sehen auf allen Wegen,
dass er durch Berg und Tal, von Ort zu Orte rollt,
dass dieser Mennowagen, praktisch und geschmeidig,
auch meinem Landsmann in der Zukunft diene.

Darío Gómez Serrato

(aus dem Spanischen übersetzt von Peter P. Klassen)

(Aus KAPUTI MENNONITA von Peter P. Klassen)

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Märchen

(Aus: "Märchen aus Argentinien und Paraguay", herausgegeben von Felix Karlinger und Johannes Pögl)

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Die Geschichte von Don Claudio

Da hatte sich einmal eine ganze Menge Leute zusammengefunden, und jeder von ihnen erzählte, was er schon so alles erlebt habe. Und nachdem der eine und andere seine Geschichte vorgetragen hatte, fehlte noch Don Claudio. Die anderen sagten zu ihm: "Und du, Don Claudio, hast nichts zu erzählen?"

Und Don Claudio wusste wirklich nichts zu berichten; aber er erzählte, was er von einem anderen Mann gehört hatte, und er begann:

"Einmal ging ich über den Chaco und trieb einige tausend Jungkühe vor mir her. Und da begegnete ich vielen Löwen, sehr vielen, und die frassen mir all die Kühe auf, und einer von ihnen hatte noch immer Hunger und wollte mich fressen. Und ich habe das Messer herausgezogen und habe zu kämpfen begonnen, aber nur zum Schein. Doch mit einem einzigen Schlag hat er mir die Klinge des Messers abgebrochen. Und als ich zurückweichen wollte, stiess ich auf ein paar Äste, und mit raschem Griff hat er sie mir weggenommen, und so bin ich halt noch weiter zurückgewichen und habe ein dürres Stöckchen gefunden, aber mit einem einzigen Hieb hat er es mir in Stücke geschlagen..."

Und Don Claudio machte eine Pause, da er nicht so recht wusste, wie er weitererzählen sollte. Und die, welche zuhörten, fragten: "Und was weiter, Don Claudio?" Und Don Claudio sagte: "Und da liess ich mich halt von dem Löwen fressen."

 

Der Löwe und die Mäusin

Aus einem Mauseloch schauen zwei Mäusinnen heraus. Sagt die eine zur andern: "Siehst du da drüben den Löwen?" – "Meinst du den mit der schönen Mähne, der da so stolz dahinschreitet?" – "Ja, gerade den." – "Was ist mit ihm?" – "Das ist der Saukerl, der Wüstling, der Hurensohn, von dem meine Schwägerin ihre Tochter das uneheliche Kind hat." – "Ja, wie gibt’s denn so was?" Das ist doch unmöglich!" – "Doch!" – "Nun, so erzähle!"

"Ja, die Geschichte verhält sich so: du weißt ja, dass dieser Löwe hier schon lange herumstrolcht. Nun, die Tochter meiner Schwägerin hat sich doch glatt in ihn verliebt, dumm wie Mädchen eben sind.

Sie geht also, nimmt ihre paar Kröten, bezahlt einen Zauberpriester, und lässt sich in eine Löwin verwandeln, erreicht damit aber gar nichts. Der Löwe geht an ihr vorbei, als gäbe es sie nicht.

Nun, das Mädchen nimmt alles, was es noch hat und geht hin zu einer Hexe um Liebeszauber. Nun, die Hexe macht ihren Zauber – sososo – und tatsächlich: der Löwe verliebt sich in das (ehemalige) Mäusemädchen.

Einige Zeit gehen sie miteinander. Dann merkt das Mädchen, dass es schwanger ist, und der Liebeszauber verliert seine Kraft.

Das Mädchen geht zum Löwen und sagt: ‚Schatz, ich bin schwanger von dir. Heirate mich!‘ – ‚Hau ab!‘ sagt der Löwe, Weiber wie deine Sorte gibt es eine ganze Menge. Hau ab und lass dich nicht wieder blicken, sonst werde ich ungemütlich!‘

Nun, was soll ich dir sagen. Das Mädchen läuft ohne ein Stück Geld wieder zum Zauberpriester, und der – gutherzig wie er manchmal ist – verwandelt sie wieder in eine Mäusin. Naja, und nun sitzt meine Schwägerin da, und kann sehen, wie sie die zwei armen Würmer durchbringt. Gottlob hat das Enkelkind bis jetzt keine Ähnlichkeit mit dem Vater!"

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Warum die Guaycurú Räuber geworden sind

(Märchen der Indianer vom Stamm der Guaycurú (auch Chamacoco genannt). Zuerst lebten sie im südlichen paraguayischen Chaco, zogen dann später an den Oberlauf des Rio Paraguay, auf westlicher Seite, Grenzgebiet zwischen Bolivien und Paraguay.)

Als der grosse Geist die Welt erschuf, machte er die Menschen. Es genügte ihm nicht, einen Mann und eine Frau zu schaffen, sondern er erschuf viele Menschenpaare und gab jedem ein Stück Land und eine besondere Eigenschaft. So entstanden die verschiedenen Völker.

Endlich erschuf er auch einen Guaycurú-Mann und eine Guaycurú-Frau. Aber es war kein Stück Land mehr übriggeblieben, das er ihnen hätte geben können. Und während die beiden Guaycurús die Gegend des Gran Chaco durchstreiften, rief der grosse Geist einen Caracarà (Vogel) und sagte zu ihm: "Fliege zu den Guaycurús und sage ihnen, dass es mir leid tut, dass ich ihnen kein Land mehr geben konnte, weil schon alles verteilt ist. Und da ihnen nichts gegeben wurde, sollen sie sich dort etwas nehmen, wo andere etwas haben. Sie sollen sie töten und sich nehmen, was sie brauchen."

Der Caracarà flog nun zu dem Guaycurú-Paar und richtete alles so aus, wie es ihm aufgetragen war. Als die Guaycurús das hörten, nahmen sie sogleich einen Stein und erschlugen als ersten den Caracarà, rupften ihn, brieten ihn und assen ihn. Und dann befolgten sie seine Weisung und zogen als Räuber durch die Gebiete anderer Stämme.

 

Puma und Grille

Einst ging ein Puma im Chaco spazieren, da kam ihm auf dem Pfad eine Grille entgegen.

"Mir aus dem Weg!" schrie sie der Puma an, "ich bin der König aller grossen Tiere und mir hat alles zu gehorchen." Da erwidert die Grille: "Gut, du magst der König der grossen Tiere sein. Aber was heisst das schon? Ich bin der König der kleinen Tiere: und das bedeutet mehr!"

"Du machst dich lächerlich!" sagt der Puma, "ich brauche gar nicht auszuholen, um dich mit meiner Pranke zu erdrücken. Deinesgleichen kann ich zehn mit einem Schlag umbringen, wenn ich nur will."

Da sagt die Grille: "Du bist ein Angeber, und du sollst lernen, wie dumm und machtlos du bist. Komm doch morgen mit deinen Truppen hierher, dann will ich mit meinen kommen, und wir werden sehen, wer stärker ist!"

"Gut, wie du willst. Das wird morgen für uns ein Festessen geben, denn wir werden euch alle verschlingen!"

Am nächsten Tag kamen der Puma und die Grille mit ihrem Gefolge an. Sie hatten alles aufgerufen, was zu ihrem Bereich gehörte. Der Puma kam mit Jaguaren, Rindern, Stieren, Hirschen, Hasen, Wildschafen und Wildziegen. Und die Grille kam mit Ameisen, Stechmücken, Bienen, Wespen und anderen Insekten und Spinnen.

Es entstand eine fürchterliche Schlacht; die grossen Tiere töteten Tausende um Tausende von dem kleinen Volk, aber so viele sie auch umbrachten, es erschienen immer wieder neue Schwärme, welche sich in den Grossen festbissen und ihnen das Blut aussaugten.

Endlich blieb dem Puma, in dessen Ohren, Augen und Rachen Stechmücken und Ameisen sassen, und dessen Pfoten von den Stichen der Wespen geschwollen waren, nichts anderes übrig, als das Signal zum Rückzug zu geben. Sie stürzten sich in den nächsten Tümpel, um ihre Plaggeister loszuwerden und ihre Wunden zu kühlen, und die Kleinen blieben Sieger.

Seit jenem Tage gehen die grossen Tiere den kleinen aus dem Weg; aber es nützt ihnen nichts. Wo immer die kleinen Tiere die grossen erblicken, stürzen sie sich angriffslustig auf sie, und Frieden wird es nie geben.

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